Mit
dem Rüstzeug einer gründlichen Ausbildung kehrte Philipp Jakob Wieland
nach ausgedehnten Studienreisen durch Deutschland und angrenzende Länder
in seine Vaterstadt Ulm zurück. Im Alter von 27 Jahren übernahm er von
seinem Onkel Thomas Frauenlob die damals schon 250 Jahre bestehende Kunst-
und Glockengießerei in der Rosengasse. Mit Fleiß, hohem technischen
Wissen, Mut zum Risiko und Kapitaleinsatz machte er sich ans Werk. Er bot
seine Dienste in der Herstellung gegossener Messingartikel aller Art an.
Damals
ahnte niemand, dass sich hier ein Mann ans Werk machte, der nach
Charakter, Arbeitsdrang und Umsicht mit Fug und Recht Industriepionier
genannt werden darf.
Schon
wenige Jahre später begann nach Erwerb einer Sägemühle im
Fischerviertel mit der zum Betrieb notwendigen Wasserkraft die Produktion
von Messing-Walzprodukten.
Die
Möglichkeit der räumlichen Entfaltung des Unternehmens waren innerhalb
der Stadtmauer Ulms begrenzt. Deshalb musste Philipp Jakob Wieland seine
Betriebe in die Umgebung verlagern. So entstanden in den Nachbargemeinden
Herrlingen und Gögglingen unter Ausnutzung vorhandener Wasserkräfte
Fertigungsstätten für Walzprodukte und Drähte. Der Kauf der
Spitalmühle 1859 außerhalb des städtischen Festigungsrings war ein
wesentlicher Schritt, der das kräftige Wachstum des Unternehmens
begünstigte.
Als
erster Arbeitgeber Deutschlands schuf Wieland schon im Jahre 1834 eine
freiwillige Fabrikkrankenkasse, die zum Vorbild für die heute übliche
Betriebskrankenkasse wurde.
1864
bot sich die Möglichkeit zur Übernahme der Krauß´schen Mühle in
Vöhringen. Mit einer Anfangsbelegschaft von 38 Mann nahm er dieses
Zweigwerk in Betrieb. Die Wasserkraft der Iller und die vorhandenen
großen Grundflächen begünstigten die kontinuierliche Entwicklung dieses
Werkes.
Das
Unternehmen von Philipp Jakob Wieland wies eine große Palette von
Produkten auf. Feuerspritzen, Glocken, Messing-Gebrauchs-Gegenstände
aller Art, Bleche und Drähte wurden produziert. Auf der Pariser
Weltausstellung 1873 erhielt der Unternehmer eine Silbermedaille als
Anerkennung für seine Erzeugnisse.
Am
18. Januar 1873 starb Philipp Jakob Wieland und hinterließ seinen Erben
ein großzügig angelegtes Unternehmen. Bis zur Geschäftsfähigkeit der
Kinder führte seine Witwe Mathilde Wieland die Firma. 1892 übernahmen
die beiden Söhne Philipp und Max Robert Wieland die Leitung des
Unternehmens.
Von
Herbert Ehm