1683 hatte der Biersieder und Kronenwirt Ferdinand Bolkart
in Illertissen einen Knecht namens Christian Rauch eingestellt. Dieser,
ein baumstarker Kerl, war recht fleißig und ordentlich, so dass sein Herr
sehr wohl mit ihm zufrieden war.
Um diese Zeit wurde viel erzählt, wie drüben im Mindeltale und in den
Stauden ein Raubmörder entsetzliche Missetaten vollbracht hatte. Dieser
Räuber hatte sich nicht damit begnügt, seine Opfer auszurauben und zu
morden, sondern hatte die Gewohnheit, die Beraubten grausam mit
teuflischer Lust langsam tot zu martern. So hatte er einmal einen
Handelsmann mit unlösbaren Fesseln und aufgesperrtem Munde in einen
großen Haufen von Waldameisen fest gebunden. Der sterbende Mann wurde
erst am dritten Tage aufgefunden, nachdem ihm von den Tieren die
Eingeweide bei lebendigem Leibe ausgefressen waren.
Da stellte sich heraus, dass des Kronenwirts braver Knecht "der
Christianes", der selbst oft von dem grausamen Räuber im Mindeltale
erzählt hatte, selbst der lang gesuchte Malefizspitzbube sei. Bald saß
der Christianes in schweren Ketten im Kerker des Schlosses, unterhalb der
jetzigen Kanzleien des kgl. Rentamtes. Das Gewölbe wird deshalb noch das
"Christianesloch" genannt.
Entsprechend seinen grausamen Missetaten wurde der Verbrecher 1684 eben
so grausam hingerichtet - er wurde "gevierteilt" und nach der
Sitte der damaligen Zeit zum abschreckenden Beispiel an den vier
Feldkreuzen vor dem Markte je "ein Viertel" seines Körpers
aufgehängt. Der unbußfertige Sünder, welcher nur durch die Tortur zum
Geständnisse gezwungen worden war, erzählte vor der Hinrichtung am
Hochgerichte noch lachend von denjenigen seiner greulichen Missetaten,
welche ihm nach seiner Ansicht besonders gut gelungen waren.
Von Anton Kanz