Das Jahr 1800 brachte für
Illertissen schwere Tage. Franzosen besetzten den Ort und ihre Spähtruppe
beunruhigte die ganze Umgebung. Am 30. Mai, es war der Pfingstsonntag,
wurden die Einwohner auf ihrem Kirchgang von Gewehrschüssen
aufgeschreckt. Zwischen Jedesheim und Illertissen fand ein Gefecht statt.
Bald war wieder Ruhe.
Im Hagenbittele fanden
beherzte Einwohner zwei gefallene Soldaten in ihren leuchtenden Mänteln.
In diesen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Österreichern und
Franzosen kämpften unsere Landsleute auf französischer Seite. Die Tisser
hatten deshalb mit den Gefallenen ein besonderes Mitleid. Sie sahen in
ihnen gleichsam ihre eigenen Söhne. An der Stelle, wo ihr Herzblut den
Boden färbte, errichteten sie ein schlichtes Heldengrab, setzten wie es
von jeher für Gefallene üblich war, ein Birkenkreuz mit dem
französischen Kappi auf den Grabhügel und schmückten diesen mit einem
Sträußchen Blumen. Tags darauf fertigte ein Schreiner ein Täfelchen an,
und der Maler schrieb darauf: "Hier ruhen zwei unbekannte Reiter der
französischen Armee. R. I. P."
An Sonntagnachmittagen,
besonders an Allerseelen, zogen treusorgende Mütter in Hagenbittele
hinaus, legten Blumen aufs Grab und beteten, als lägen ihre eigenen
Söhne, von denen sie seit ihrem Auszug keine Kunde mehr hatten, dort in
kühler Erde.
Der Zahn der Zeit nagte auch
an dem Birkenkreuz, bis es eines Tages morsch am Boden lag. Das Grab ging
zwar ein, doch wurde diese Begebenheit von Großmüttern ihren
Enkelkindern erzählt.
Das Hagenbittele wurde im
Volksmund nur mehr Rotmäntelgehau genannt, später sogar von Amts wegen
in den Flurplan aufgenommen.
Von Alfred Drießle