Kreisbildstelle Illertissen

Medienzentrale für Schule und Bildung

Ulmer Str. 20

89257 Illertissen

Tel. 07303/920110

 

Home
Nach oben
Dienste
Aktuell
Bilderbuch
Links

 

Das Rotmäntelgehau

Eine Sage über einen Illertisser Flurnamen

Am Pfingstsonntag, den 30. Mai 1800, fand hier ein Gefecht statt. Die Kaiserlichen griffen von Illereichen her die Franzosen überraschend an und trieben diese bis Weißenhorn. Bei Jedesheim fielen 13 französische Reiter, bei Illertissen zwei "Rotmäntel". Letztere wurden im Waldteil "Hagenbittele" begraben. Die französischen Reiter trugen rote Mäntel. Sie wurden daher im Volksmund "Rotmäntel" genannt. Die Tisser heißen seit der Zeit den Waldteil in der Südlichen Halde den "Rotmäntelgehau".

Das Jahr 1800 brachte für Illertissen schwere Tage. Franzosen besetzten den Ort und ihre Spähtruppe beunruhigte die ganze Umgebung. Am 30. Mai, es war der Pfingstsonntag, wurden die Einwohner auf ihrem Kirchgang von Gewehrschüssen aufgeschreckt. Zwischen Jedesheim und Illertissen fand ein Gefecht statt. Bald war wieder Ruhe.

Im Hagenbittele fanden beherzte Einwohner zwei gefallene Soldaten in ihren leuchtenden Mänteln. In diesen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Österreichern und Franzosen kämpften unsere Landsleute auf französischer Seite. Die Tisser hatten deshalb mit den Gefallenen ein besonderes Mitleid. Sie sahen in ihnen gleichsam ihre eigenen Söhne. An der Stelle, wo ihr Herzblut den Boden färbte, errichteten sie ein schlichtes Heldengrab, setzten wie es von jeher für Gefallene üblich war, ein Birkenkreuz mit dem französischen Kappi auf den Grabhügel und schmückten diesen mit einem Sträußchen Blumen. Tags darauf fertigte ein Schreiner ein Täfelchen an, und der Maler schrieb darauf: "Hier ruhen zwei unbekannte Reiter der französischen Armee. R. I. P."

An Sonntagnachmittagen, besonders an Allerseelen, zogen treusorgende Mütter in Hagenbittele hinaus, legten Blumen aufs Grab und beteten, als lägen ihre eigenen Söhne, von denen sie seit ihrem Auszug keine Kunde mehr hatten, dort in kühler Erde.

Der Zahn der Zeit nagte auch an dem Birkenkreuz, bis es eines Tages morsch am Boden lag. Das Grab ging zwar ein, doch wurde diese Begebenheit von Großmüttern ihren Enkelkindern erzählt.

Das Hagenbittele wurde im Volksmund nur mehr Rotmäntelgehau genannt, später sogar von Amts wegen in den Flurplan aufgenommen.

Von Alfred Drießle