Im
Jahr 1900 stieß man im alten Ortskern beim Wasserleitungsbau auf
mächtige Mauerreste eines römischen Kastells aus dem 4. Jahrhundert n.
Chr. In schriftlichen Quellen dieser Zeit wird Kellmünz als
Militärstandort mit dem lateinischen Namen Caelius Mons
aufgeführt.
Von
1901 bis 1913 ließ der ortsansässige Kaufmann Roman Linder die
Wehrmauern und Türme dieses Kastells freilegen. Aufsehen erregend war
damals die Entdeckung mehrer lebensgroßer Marmorstatuen aus dem 2.
Jahrhundert n. Chr., die im Fundament der Kastellmauern verbaut worden
waren. Erst von 1986 - 1993 fanden systematische Ausgrabungen durch die
Kommission zur archäologischen Erforschung des spätrömischen Raetien
der Bayerischen Akademie der Wissenschaften statt.
Das
bayerische Alpenvorland und die Fränkische Alb mit dem Ries gehörten zur
römischen Provinz Raetien. Nach dem Ende des sog. raetischen Limes um 260
n. Chr. bildeten die obere Donau und die Iller die neue Grenze des
Römischen Reichs. Aber erst gegen 300 n. Chr. wurde in Kellmünz im
Rahmen eines Befestigungsprogramms der Kaiser Diocletianus und Maximianus
Herculius auf einem Plateau des Illerhochufers ein stark befestigtes
Kastell mit einem Haupttor und weit vor die Mauer vorspringenden Tor-,
Eck- und Zwischentürmen errichtet. Der Kastellgrundriss mit den
Innenmaßen 98,50 x 101,50 m (0,86 ha) ist vieleckig und dem Gelände
angepasst. Die Ansicht der Toranlage mit den ca. 12 - 15 m hohen Türmen
wurde zeichnerisch rekonstruiert. Im frühen 4. Jahrhundert n. Chr. ist in
Kellmünz mit einer ca. 300 Mann starken Einheit zu rechnen. Caelius Mons
war ein wichtiges Kastell des sog. Donau-IIller-Rhein-Limes, dessen
Besatzung für die Kontrolle und Sicherung der Reichsgrenze im unteren
Illertal zuständig war. Die nächsten größeren Einheiten waren in
Cambidano-Kempten und Guntia-Günzburg stationiert.
Die
neuen Ausgrabungen gaben im Kirchhof von St. Martin erstmals Aufschluss
über die Innenbebauung. Eine in Holzbauweise errichtete
Mannschaftsunterkunft brannte schon bald nach der Fertigstellung wieder
ab. An dieser Stelle wurde wenig später ein 14 x 26 m großer
einschiffiger Hallenbau (aula) mit Apsis und Säulenvorhalle errichtet.
Die monumentale, repräsentative Aula, ein für spätrömische Kastelle an
Rhein und oberer Donau unbekannter Gebäudetyp, diente hochrangigen
Befehlshabern wohl zur Rechtssprechung und vielleicht auch zum Empfang von
Gesandtschaften der Alamannen und Juthungen. Der Grundriss der Aula ist im
Kirchhof durch farbige Pflasterung wieder gegeben. Mit einer
Militäreinheit ist in Kellmünz noch während des ersten Drittels des 5.
Jahrhunderts n. Chr. zu rechnen.
Von
M. Mackensen