Kreisbildstelle Illertissen

Medienzentrale für Schule und Bildung

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Die Glocke in der St. Annakapelle

Eine Geistergeschichte aus Dietenheim

Um 1800 wurde aus dem Türmchen der St. Annakapelle in Dietenheim von unbekannten Tätern die Glocke gestohlen. Den Glockenschwengel fand man einige Tage später unter einer Feldbrücke, nahe dem Halberthof. Aber alle weitern Nachforschungen blieben erfolglos.

In jener Zeit wohnte in der Brennerstraße eine fromme, alte Jungfrau. Als sie eines Abends nach dem Betläuten aus dem Hause trat, um die Fensterläden zu schließen, sah sie über dem Ried eine feurige Glocke der St. Annakapelle zuschweben. Allen erzählte sie von ihrem Erlebnis.

Da wurde dem Ehepaar Nagelschmied Weiß ein hoffnungslos krankes Kind geboren, und sie beteten und gelobten, im Falle einer Erlösung eine neue Glocke zu stiften. In der Tat erlöste der Tod das Kind von seinem Leiden, aber auch der Nagelschmied folgte ihm nach kurzer Zeit in die Ewigkeit. Die Zeit verging, und die Schmiedin vergaß auch das Gelöbnis.

Als sie nach manchen Jahren in der Dämmerung eines nebligen Novembertages die Schmiede betrat, bemerkte sie, wie dünner Rauch aus der Esse blies. Er verdichtete sich zu einer Gestalt, und sie erkannte ihren verstorbenen Mann, den rußgeschwärzten Nagelschmied, so nahe, dass sie das Weiße in seinen Augen blitzen sah. Entsetzt floh sie von dannen. Der Kaplan wusste Rat. Wenn der Geist, sagte er, wieder erscheine, solle sie fragen, was er begehre. Und siehe da, eines Tages stand der Geist wieder in der Schmiede. Sie fasste Mut und rief ihn an: "Was willst du?" Der Geist erhob die Rechte mit dem Schmiedehammer, ein mächtiger Schlag sauste auf den Amboss nieder, und sie hörte die ihr wohl bekannte Stimme ihres Mannes "s´Glöckle". Die Schmiedin erinnerte sich des Gelöbnisses und stiftete die heutige Glocke in der St. Annakapelle.