Unfern
der Iller, in reizender Lage, erhob sich nahe dem Markte Illereichen das
alte, großartige Schloss Aichheim, vormals Wohnsitz der mächtigen Grafen
von Aichheim, deren Nachfolger die Grafen Rechberg und Lymburg-Styrum
waren.
In
diesem weitläufigen Gebäude wohnte bis zum Abbruch im Jahre 1837 eine
Beamtenfamilie. Ein Knabe, das einzige Söhnlein des Hauses, vergnügte
sich oft mit Spielsachen in den großen Sälen des Schlosses. Da kam es
eines Nachmittags außer Atem zu seinem Vater gelaufen. Es erzählte, wie
es so ganz allein im Kaisersaal gesessen und gespielt hätte, sei mit
einem Male die Tür aufgegangen und ein Zug von Rittern und Damen in
rauschenden Gewändern, sich an den Händen führend, hereingekommen. Sie
wären alle weinend durch den Saal gezogen. Am Ende wäre ein Fräulein
gegangen, das ihm gewinkt hätte, worauf er davongelaufen sei.
Noch
heutigen Tages soll sich das Fräulein öfters in der Halde sehen lassen,
wo es den Leuten zuwinkt. Auch sagt man, dass alljährlich um Ostern die
alten Grafen und Gräfinnen großen Umzug im Schlosse hielten. 1837 seien
sie vor dem Abbruch weinend gekommen, weil zum letzten Male.
