Kreisbildstelle Illertissen

Medienzentrale für Schule und Bildung

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Die Sage vom bösen Grafen zu Aichen

Einmal vor vielen Jahren lebte zu Aichen der wilde Graf Styrum. Dieser hielt seine Untertanen furchtbar strenge, rein wie Sklavenleute. Wer sich weigerte, die harten Frondienste zu leisten, den sperrte der Grausame in die unterirdischen Gewölbe des Schlossturmes und ließ ihn dort verhungern. Da hatte selbst der Böse einst Mitleid und half so einem Schwerbedrängten aus seiner Not. Das ging so zu:

Mitten im Badhauser Forst stand die “Schwarze Eiche”. Der tausendjährige Riesenstamm war der größte Baum im weiten Schwabenlande. Die gefällte Eiche - 10 gute Pferde hätten sie nicht knappig gemacht - sollte ein Bauer mit seinen mageren Gäulen in den Schlosshof führen. So hatte es der Graf bei Todesstrafe dem Wolferstaller anbefohlen. Der Bauer wusste, dass er abends im großen Turme sitzen werde. Als er in Todesängsten über seine Lage nachsann, stand plötzlich ein Jägersmann vor ihm, ein großmächtiger Kerl, und bot ihm seine Hilfe an. Der stieß mit seinem linken Fuße an den gewaltigen Block. Flugs, die Eiche lag fest gereigelt auf dem Wagen. “Hüh!” sprach der Jäger, hüh, hüh!” der Fuhrmann. Leicht, als ob er eine Zieche Flaumfedern geladen, rollte das Fuhrwerk bald in den Schlosshof. Dort packte der Jäger den Baum mit der linken Hand und warf ihn, als ob’s eine Birnhutzel wäre, an die Mauer, dass das ganze Gebäu zitterte, dazu ein Donnerschlag, dass man vermeinte, die ganze Sünderburg sei in die Tiefe der Höllzuckel hinabgeworfen. Der herbeieilende Graf entfernte sich rasch wieder, als er den grünen Jäger erblickt hatte. “So, nun weiß ich, wer mir geholfen hat”, dachte der erschreckte Wolferstaller, dem die Haare wie Haselruten zu Berge standen,  “und weiß jetzt auch, wo die Hölle ist.” Der Grüne war vor seinen Augen verschwunden. Da bekreuzigte sich der Bauer, “hüh, hüh!” und fuhr, so schnell er nur konnte, aus dem Schlosse.

Acht Tage darnach erschien der unheimliche Jäger wieder im Schlosse und verlangte den Grafen zu sprechen. Gleich darauf fand man den Styrum erwürgt am Boden. Sein Kopf war so schwarz wie der Ofen im Kaisersaale. Der böse Jäger war aber wieder verschwunden. Was er mitgenommen, könnt ihr euch denken.

Der Grüne kam zehn Jahre darnach nochmals auf Schloss Aichheim, - Gräfin Mariann war plötzlich gestorben.

Auf ein solch unchristlich und gottloses Leben kann nimmermehr der ewige Frieden und die Ruhe im Grabe folgen. Die Aichheimer bekamen auch jetzt noch lange keine Ruhe vor ihren grausamen Bedrängern. Mehr als 100 Jahre lang musste das saubere Paar zur Strafe jede Nacht in der Herrschaft noch herumgeistern. Aber meint ihr, die zwei hätten die Geisterei so armselig und bettelhäftig betrieben wie der dumme Eschenmann, der im nassen Tiefenbacher Riede drunten so langweilig umeinander stolpert? Wie es sich für gräfliche Geister geziemt, im Galawagen, mit vier funkensprühenden Rappen bespannt und dem Kutscher auf dem Bocke sauste der Gespensterzug durch die Herrschaft. Dabei brauste ein Sturmwind, als ob der jüngste Tag käme.

War das ein Getöse und ein Lärm, wenn das Geisterfuhrwerk über Stock und Stein mitten durch den Buchwald, durch den Tiergarten und den Badhauser bis hinab zur schwarzen Eiche fuhr. Unter den Hufen der Pferde knackten und knickten die stärksten Eichen und Buchen zusammen wie Strohhalme. Das konnte man stundenweit hören. Selbst in die Herrschaft Tissen fuhren sie herein auf der Landstraße bis zum Hochgericht und zum Vöhlin´schen Mühlbache. Den entgegenkommenden Wanderern hauchte die Gräfin ins Antlitz. Auf diesen bösgiftigen Geisterhauch schwoll der Kopf des Betroffenen an bis zur Größe eines Memminger Metzens. Die rote Bötin von Tissen hat dabei schier das Augenlicht eingebüßt.

Jetzt haben die Aichheimer schon lange Ruhe vor ihren Plaggeistern. Hoffentlich haben auch endlich der Graf Styrum und seine böse Mariann ihre Ruhe gefunden.  

Von Anton Kanz