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Bauernkrieg 1525 |
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Die Bauern bedrängen ihren
Grundherrn Vöhlin |
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Aus
einer Inschrift in der Schlosskapelle ist zu entnehmen, dass die
Illertisser bereits 1522 einen bewaffneten Aufstand gegen ihren Grundherrn
unternahmen und dabei die Schlosskapelle zerstörten. "Aller
Gehorsam ist nun tot", erklärten die Bauern offen ihren Herren, und
als Vöhlin seine Untertanen zum Schlossbau aufforderte, verweigerten
diese jede Hilfe zum Bau".
1524
floh Vöhlin mit seiner Familie nach Ulm. Mehrmals reisten Abordnungen von
Illertisser Bauern dorthin und erzwangen sich von Vöhlin eine Reihe von
Vergünstigungen. In seiner Notlage bewilligte Vöhlin alles Verlangte,
unter der Bedingung, dass sich seine Bauern nicht den Rebellen
anschließen. Sie versprachen dies feierlich, fuhren heim und rebellierten
weiter. |
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Die Illertisser Bauern verpassen den Anschluss |
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Die
hiesigen Bauern schlossen sich zusammen mit den Babenhausern dem
Baltringer Haufen (Baltringen liegt bei Laupheim) an, der 12 000 Mann
zählte.
"Mitte
März wollten die Aufständischen einen Sturm auf das Schloss Tissen
machen. Da kam von Ulm aus ein Reiterzug des Schwäbischen Bundes nach
Tissen, Betlinshausen und Tiefenbach, um die Bauern zur Huldigung zu
bewegen, welche von den meisten erlangt wurde. Die zur Unterwerfung
gebrachten zahlten zur Buße 85 fl. Brandsteuer und - schlossen sich nach
dem Abzuge der 60 Reiter zum größten Teil wieder dem Aufstande an".
Im
März errichteten die Bauern der Herrschaften Illertissen, Illereichen und
Kellmünz in Illertissen ein Bauernlager. Bald waren unter Führung von
Martin Herrschlin, genannt der "Hauptmann", 6000 Bewaffnete
versammelt.
Es
war vorgesehen, sich mit dem Baltringer Haufen zu vereinigen. Aber dieser
hatte sich bereits in Richtung Oberschwaben in Marsch gesetzt. So brach
der Illertisser Haufen am 1. April auf, um sich mit den Babenhausern zu
treffen. Abermals waren die Illertisser zu spät dran, denn die Bauern von
Babenhausen waren schon einen Tag vorher vor die Stadt Weißenhorn
gezogen. Sie trafen dort auf den Leipheimer Haufen. Der Weißenhorner
Nicolaus Thomann war Augenzeuge der damaligen Vorgänge. Er
berichtet:
"Der
12 000 Mann und 60 Wagen umfassende Bauernhaufen näherte sich am 1. April
1525 plündernd der Stadt. Bereits zwei voraus geschickte Delegationen der
Bauern war am Unteren Tor der Einlass verwehrt worden.
Als
nun der Haufen auf der Höhe Weißenhorns angelangt war und östlich der
Stadt lagerte, verhandelte eine zehnköpfige Delegation der Bauern unter
Führung des Jörg Ebner aus Ingstetten mit dem damaligen Bürgermeister
Diepold Schwarz. Die Bauern begehren Einlass in die Stadt und wollen Essen
und Trinken um ihren Pfennig. Sie fordern ferner den Rat der Stadt auf, er
solle sich mit ihnen in Bruderschaft verpflichten, sich also zu den
aufrührerischen Bauern bekennen, was aber von der Stadt, die zur
Herrschaft hält, abgelehnt wird. Als Geste ihrer freundlichen Gesinnung
lassen Herrschaft und Rat der Stadt für die Bauern eine Flasche Wein und
Brot kommen, was auch freundlich angenommen wird.
Als
die Bauerndelegation abzieht, erwartet die Stadt nichts Schlimmes. Doch
als Ebner wieder erscheint, antwortet er dem Bürgermeister auf dessen
Frage, was die Stadt nun nach der freundlich verlaufenen Verhandlung zu
erwaten habe, man hätte sie nicht eingelassen, um ihren Pfennig zu
zehren, und so wollten sie noch diese Nacht die Stadt erobern".
Der
Angriff der unzulänglich ausgerüsteten Bauern dauerte kaum länger als
eine Stunde. Danach gaben sie auf und zogen weiter zum Kloster Roggenburg. |
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Die Plünderung des Klosters
Roggenburg |
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"Abends,
als es schon dunkel war, überfielen die Bauern das Kloster Roggenburg und
"fraßen es rein aus". Was nicht fressbar und verschleppbar war,
wurde zusammen geschlagen, machten aus Fahnen und Stolen Hosenträger,
zerrissen die Chortücher, ruinierten die Bücherei und zerbrachen den
Tabernakel ... Auch alle Pferde, Kühe, Schafe, Schweine, Hennen und
Kapaunen, sowie alle Wagen und Pflüge nahmen sie mit".
Eben
als die besoffene Bande mit ihrer Beute abzog, traf der Illertisser Haufen
ein:
"Diese
waren nun übel dran, denn sie mussten die anderen berauscht und mit Beute
überladen abziehen sehen. Es war schon recht ärgerlich, auch hier wieder
zu spät, wie nach Babenhausen, gekommen zu sein. In ihrer Wut hierüber
zerschlugen sie, da nichts mehr ganz war, vollends die Öfen und Fenster
und versuchten mehrmals, das Kloster anzuzünden". |
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Der blutigen Schlacht entgegen |
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Am
2. April rückte von Ulm kommend Georg Truchseß von Waldburg, der
Bauernjörg, mit 1 500 Pferden und 8 000 Fußknechten heran und
vernichtete in einem blutigen Gemetzel den Leipheimer Haufen.
"Am
4. April morgens fand auf dem Felde zwischen Leipheim und Bubesheim ein
grausiges, blutiges Schlachten statt. Es war ein schonungsloses
Niederstechen und Niederhauen. Viele wurden in die Donau getrieben. Die
Hüte unzähliger Ertrunkener schwammen die Donau hinab. Die Zahl der
erschlagenen Bauern wird auf vier Tausend angegeben".
Von
den Illertisser Bauern war nichts zu sehen und zu hören.
"Höchstwahrscheinlich
hatten sich unsere Bauern, diesmal zu ihrem Heile, wieder verspätet und
somit die schöne Gelegenheit, sich vom Bauernjörg erschlagen zu lassen,
glücklich versäumt". |
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Gnade vor Recht |
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Im Schloss
Illertissen fand am 26. Oktober 1525 die gerichtliche Verhandlung gegen
die aufständischen Bauern statt: von den 6 000 Bauern wurden 312
angeklagt:
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94 von
Illertissen |
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111 von
Vöhringen |
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45 von
Tiefenbach und |
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22 von
Betlinshausen. |
Vöhlin wollte
zuerst die ganze Strenge des Gesetzes walten lassen. Aber ließ sich von
den ihm Treugebliebenen überreden und nahm von strengen Strafen Abstand:
Die Bauern
mussten wieder Frondienste leisten und den Zehent abführen. Den
Rädelsführern (unter ihnen Michel Streit aus Tiefenbach) wurden alle
Ehren abgesprochen. Sie durften keine spitzen Waffen tragen, kein Wirtshaus
und keine Badstube besuchen, und während des Gottesdienstes mussten sie
bei oder hinter der Türe stehen.
So gnädig ging
es in Illereichen, Kellmünz und Weißenhorn nicht zu: Dort fanden
Hinrichtungen statt.
"Die
Lage des Volkes war durch den Umsturz nicht verbessert, wohl aber vielfach
verschlimmert worden. Es fehlte nicht an braven Herren, welche wie Vöhlin,
ihre Untertanen milde und gerecht behandelten, dagegen auch viele, wie der
Illereicher Rechberg, das Volk zur Strafe nur noch mehr knechteten und
quälten". |
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Quellentexte aus der Kanz -
Chronik von Tüssen
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