Kreisbildstelle Illertissen

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Aus der Geschichte der Illertalbahn

Bilder aus der Geschichte der Illertalbahn

Daten und Fakten

1. Die Anfänge:

Schon  1843 regten Bürger aus Kempten den Bau einer Eisenbahn von Kempten über Memmingen, Illertissen nach Ulm an. Die Bahn sollte der viel befahrenen Landstraße folgen, die im Mittelalter den Verkehr von Italien an den Rhein geleitet hatte. Wenn diese Pläne realisiert worden wären, hätten wir im Illertal eine der ältesten deutschen Eisenbahnen erhalten.

Aber der Staat zeigte kein Interesse am Bau der Illertalbahn. Allerdings gab er im Jahre 1861 der Stadt Memmingen die Erlaubnis zum Bau. Diese finanzierte die gesamte Bausumme von 3,5 Mill. Gulden. Der Staat verpflichtete sich, die Bahn nach Fertigstellung als Pächter zu übernehmen.

2. Der Bau:

Sofort nach Vertragsabschluss am 19. September 1861 wurde mit dem Bau begonnen. Der Neu-Ulmer Anzeiger Nr. 28 vom 29. 09. 1861 meldet: "Die Neu-Ulmer - Kempter Eiesenbahn wird allem Anschein gebaut werden. Schon sind drei Akkordanten, die Gebr. Uhl von Sonthofen und ein Schweizer namens Hablitzel hier angekommen, welche die Erdarbeiten der ganzen Bahn für 1,5 Mio. übernommen haben und beabsichtigen, dieselben schon in den nächsten Wochen mit den Grabarbeiten zu beginnen."

Die Arbeiten begannen zunächst in Vöhringen und Kellmünz mit dem Bau der Bahndämme. Kellmünz bot dabei die einzige Schwierigkeit, weil dort die Iller aufwändig begradigt werden musste, um den Bahnhof anlegen zu können. Durch ein Hochwasser der Iller und Donau im Februar 1862 wurde die gerade errichtete Bahn zwischen Neu-Ulm und Gerlenhofen an mehreren Stellen zerstört.

Am 3. Mai 1862 wurde bei Ulm die erste Schiene gelegt und am 18. Juli berichtet die Stadt Memmingen: "Die Erdarbeiten zwischen Ulm und Memmingen dürfen als beendet betrachtet werden."

Die kurze Bauzeit der Strecke Ulm - Memmingen ist dadurch zu erklären, dass die Bahn im Tal der Iller auf einem völlig flachen, bis Memmingen leicht ansteigenden Terrain verläuft. Es waren keine Täler, Flüsse oder Hügel zu überqueren.

3. Die erste Probefahrt:

Am 4. August 1862 fand eine erste Testfahrt nach Illertissen statt: Die Ulmer Schnellpost Nr. 180 vom 5. 8. 1862 berichtet: "Gestern fand eine erste Fahrt auf der Ulm - Memminger Bahn statt und zwar eine Vergnügungsfahrt nach Illertissen, zu welcher die Inspektion des kgl. bayerischen Bahnbetriebs Einladung an Beamte und Offiziere in Neu-Ulm ergehen ließ. Der Zug, bestehend aus 3 Personen- und 1 Packwagen mit der kleinen Lokomotive `Vesta´ verließ um 10 1/2 Uhr den Bahnhof Neu-Ulm und kam raschen Laufs binnen 50 Minuten bei Illertissen an, nachdem bei der ersten Station Senden nur wenige Minuten, bei der zweiten Station Vöhringen aber kein Halt gemacht wurde. Bei der Ankunft erfreute sich die Gesellschaft des herzlichsten Empfangs; eine Pforte mit Laubgewinde und flaggernden Fahnen bezeichnete auf der Bahnlinie den Anhaltepunkt. Böllerschüsse und Jubelgeschrei mengten sich unter die Klänge der Musik. Doch noch eine Länge von 20 Minuten musste zu Fuß begangen werden. So zog die Gesellschaft unter Musikbegleitung in den Garten des Herrn Kempter, nahm später ein gemeinschaftliches Mahl ein. Die Rückfahrt wurde binnen 45 Minuten vollbracht."

4. Die offizielle Eröffnung:

Am 11. Oktober 1882 wurde die Illertalbahn von Ulm bis Memmingen offiziell eröffnet. Wiederum berichtet die Ulmer Schnellpost von diesem festlichen Ereignis: "Der Morgen des 11. Oktober brach an. Ein dichter Nebel lag höchst charakteristisch auf dem Illertal. Die Neu-Ulmer Militärmusik rückt an und stellt sich auf dem Ulmer Bahnhof auf. Im Wartesaal zweiter Klasse sind die Tische gedeckt, werden doch hohe Gäste von München, Augsburg und Stuttgart erwartet. Schon stehen die Herren von Memmingen, Mitglieder des Magistrats mit Degen und Dreispitz, Mitglieder des Komitees mit Rosetten auf der Brust bereit, die Gäste zu empfangen. So etwa um 9 Uhr fangen die Ulmer und Neu-Ulmer, die eingeladen sind, allmählich an sich einzustellen... (es folgt die Auflistung der Gäste, an deren Spitze Graf Wilhelm von Württemberg, der Regierungspräsident von Schwaben und Neuburg, Frh. von Lerchenfeld, Generaldirektor der Verkehrsanstalten usw.).

Nach 10 Uhr packten die Neu-Ulmer, die indessen fleißig geblasen hatten ihre Noten zusammen. Die Frühstückstafel ward aufgehoben. Es war Zeit zum Aufbruch.

Bis Neu-Ulm, an dessen freundlich geschmücktem Bahnhof das erste Mal gehalten wurde und weiter durch das Festungsthor bewegte sich der Zug auf den alten Ulm - Augsburger Geleisen. Draußen aber verlässt der neue Schienenweg die Straße und wendet sich im weiten Bogen der alten Memminger Straße zu. Dieser Bogen verlängert zwar den Weg außerordentlich, und ein gerader Weg vom Neu-Ulmer Bahnhof durch ein Thor bei der Harmonie wäre für Ulm und Neu-Ulm eine außerordentliche Wohltat, aber ein solches darf nicht durchbrochen werden.

Der Nebel währte nicht lange. Noch ehe wir bei der Haltstation Senden angelangten, war es so weit hell geworden, dass man den Gurrenhof und den Freudenecker Hof erkannte. Das Stationshaus in Senden - noch wohnt, wie bei fast allen Stationshäusern der Bahn in den öden Fensterhöhlen das Grauen - war festlich geschmückt und brachte den Reisenden Schwarz und Weiß ein Willkommen. Auf einem Kartoffelacker zur Linken war Sendens Artillerie - zwei Böller - aufgestellt und begrüßte die Willkommengeheißenen. Vor dem Donner der Geschütze zerteilte sich vollends der Nebel. Wir fahren weiter. Dort rechts grüßt uns die Steinlesmühle, links sehen wir Wullenstetten, Illerberg. Die Lokomotive pfeift, um uns anzumelden.

Wir sind in Vöhringen. Auch hier donnerten die Böller, Musik erscholl. Am unfertigen, doch festlich herausgeputzten Bahnhof standen die Vöhringer. Aussteigen, Grüßen, wieder Einsteigen, und Hurrah vorwärts! Die Bahn rückt immer näher an die Iller. Hören wir nicht schon wieder den Donner der Freudenböller? Dampfross halt an, hier musst du ausschnaufen, denn hier ist Illertissen. Auf dem Bahnhof war Jubel und Leben. Der Sängerkranz von Illertissen hatte Recht, wenn er das Lied anstimmte: Heil uns, die Gottheit ist gewogen! Es war ein schöner Anblick, die Volksmenge mit Fahnen und Standarten, der festlich geschmückte Bahnhof, der improvisierte Tannenweg nach dem nahen Ort und drüber der Berg mit dem ansehnlichen Schloss. Im Bahnhof selbst war ein Frühstückstisch aufgestellt, wo zu den vortrefflichen Leckerbissen das berühmte Illertissemer Bier in bester Qualität floss. Die Pause ging nur zu schnell vorüber. Auf dem Dache des Bahnhofsgebäudes in Altenstadt war eine schwarz-rot-goldene Flagge aufgerichtet. Kellmünz, die nächste Station, bezeugt schon im Namen, wie uralt der Ort sei. Schon vor 1900 Jahren erbauten die Römer hier als Illergrenzveste ein Kastell und nannten es in Erinnerung an einen Hügel, auf dem Rom erbaut war, Coelius mons, welches in Kölmons und Kellmünz sich verändert hat. Fellheim und Heimertingen sind die beiden letzten Stationen vor Memmingen. Auch auf ihren Bahnhöfen wiederholte sich der Jubel und das "Heil unserm König, Heil!" und Böllersalven und Hurrah und was noch alles dazu gehört.

Das Tal hat sich indessen erweitert, wir nahen dem Ziel. Dort ist es, dort winken uns die Türme und von den Türmen die Fahnen entgegen. Memmingen!

Dort der Bahnhof! Alles was Füße hat, ist draußen! Alles was Odem hat, schreit: Hoch, Hoch! Wir sind am Ziel. In der offenen Halle des Bahnhofsgebäudes, gegenüber dem prachtvollen Triumphbogen, der mit Fahnen und Willkommgrüßen aufs Reichste geschmückt ist, stellen sich die Gäste auf. Herr von Zoller, Memmingens Bürgermeister spricht Worte freundlicher Begrüßung, freudigen Dankes. Der Präsident von Schwaben und Neuburg, Freiherr von Lerchenfeld, erwidert den Gruß, wünscht der Stadt Glück zu dem Erfolg ihrer rühmlichen Ausdauer und übergibt am Schluss seiner Rede im Namen und Auftrag des Königs dem Bürgermeister für dessen Verdienste den Verdienstorden des hl. Michael. Die Musik spielt die Königshymne. Dann ergreift Generaldirektor von Brück mit weithin schallender Stimme das Wort und erkärt die Eisenbahnlinie Ulm - Memmingen für eröffnet."

Bei der Eröffnung der Strecke fehlte übrigens noch ein Teil der heutigen Stationen. Die Bahnhöfe und Haltepunkte NU - Finninger Straße, Gerlenhofen, Bellenberg und Pleß wurden erst später errichtet. Zusammen mit Gerlenhofen wurde am 15. Oktober 1897 eine Haltestelle Reutti eröffnet - kurioser Weise fast 3 km abseits des Ortes dort, wo heute in Schwaighofen die Reuttier Straße die Bahn kreuzt. Schon 1922 wurde diese Station wieder geschlossen.

Auch zwei Nebenstrecken der Illertalbahn wurden realisiert. Über eine "Vicinalbahn" wurde Weißenhorn von Senden her angeschlossen. Eine reine Lokalbahn führte von Kellmünz nach Babenhausen. Auf beiden Strecken ist der Personenverkehr schon seit längerer Zeit eingestellt.

5. Die wirtschaftliche Bedeutung der Illertalbahn

Von Anfang an kam der Illertalbahn eine bedeutende Funktion im Frachtverkehr zu. Bis zum Ersten Weltkrieg stellten Langholzlieferungen den Hauptteil des Güterverkehrs. Das Material, das früher zu Flößen gebunden auf der Iller angeschwemmt wurde, kam nun mit der Bahn bis aus Vorarlberg. Den Schwerpunkt im Vöhringer Güteraufkommen bildeten lange Zeit Messingerzeugnisse der Firma Wieland, die zum Betrieb ihres Industriegeleises sogar eine eigene Lokomotive unterhielt. Die gute Verkehrserschließung durch die Bahn war ein bedeutender Standortfaktor für die Ansiedlung von weiteren Industriebetrieben entlang der Illerachse. Das Rothtal, das ursprünglich die Bahnlinie erhalten sollte, blieb in der wirtschaftlichen Entwicklung zurück.

Auch die Zahl der Fahrgäste im Personenverkehr stieg seit der Eröffnung der Strecke ständig an. Wurde das Verkehrsaufkommen in den Gründerjahren mit zwei, um die Jahrhundertwende bis zum Zweiten Weltkrieg mit fünf bis sieben Zugpaaren täglich bewältigt, verkehren heute mehr als 20 Züge täglich nach Kempten und zurück.